Wir starten mal mit dem, was Friedhelm Funkel nach dem 0.1 Hinspiel gesagt hat. Warum? Weil wir es nachdem die Enttäuschung sich gelegt hat, genau so sehen. Wir müssen gewinnen. Das ist es. Wir müssen nur ein einziges Spiel gewinnen. Dieses einzige letzte Spiel. Und deswegen muss jetzt Schluss sein mit dem Angsthasen- und Taktierer-Fußball. Jetzt müssen wir die Kieler anlaufen, angreifen, ermüden und schlagen. Mut ist angesagt.

“Wir haben jetzt erst Halbzeit, es ist noch nichts entschieden. Die Entscheidung wird in Kiel fallen. Im Rückspiel müssen wir die Kieler vor mehr Probleme stellen.“

Friedhelm Funkel

Es ist ein Auswärtsspiel. Dennoch hier ausnahmsweise nochmal die PK, die vor unserem Heimspiel entstand. In vielen Punkten hat sie nach wie vor Gültigkeit für uns.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Zuhause statt zusammen – immer noch nur Wohnzimmerfußball

Man kann es nicht oft genug sagen: Fußball ohne Menschen ist scheußlich. Wieder sitzen wir im Wohnzimmer – und das an einem für unseren FC wahrlich entscheidenden Tag. Wenn wir das Ding heute verlieren, kann das die historische Wende zum Niedergang sein. Ohne Geld in Liga 2. Das würde nicht gutgehen. Der Druck ist enorm.

Wir sind verdammt nervös, tigern im Zimmer auf und ab, reden uns Mut zu. Diesmal werden die Jungs von Anfang an Gas geben. Jetzt werden sie ihr wahres Gesicht zeigen. Wir haben ja immer daran geglaubt, dass diese Mannschaft es schaffen kann. Und jetzt kann sie es zeigen, muss sie es zeigen – das wird auch der Trainer sagen. Attacke!

Und dann? Jonas Hektor, wir lieben dich! Nach nur 3 Minuten steht es 1:0 für uns. Das Glück katapultiert uns aus dem Sofa. Es läuft noch besser als wir es uns erträumt haben.

Wie so oft beim FC wird unser Jubel umgehend im Keim erstickt. Vierte Minute: 1:1 – das kann doch wohl nicht wahr sein! Vielleicht ist das der Grund, warum wir Kölner so schnell so euphorisch sind: Wenn man genau weiß, dass man sowieso umgehend auf die Nuss bekommt, muss man die kurzen Momente der Glückseligkeit nutzen und ausleben.

Und zack fliegen wir wieder aus dem Sofa. Sechste Minute. Andersson. Kopfball. Tor. 2:1. Davon werden sich die Kieler dann aber hoffentlich nicht wieder so schnell erholen!

Doch. Da zieht doch tatsächlich so ein Kieler in Minute 7 aus 10 Metern ab und… schießt knapp vorbei. Unser Puls ist auf Tourette. Das ist vollkommener Irrsinn.

So, jetzt bitte ordnen. Zur Ruhe kommen. Eine Verlängerung wird es heute jedenfalls nicht geben. Soviel steht fest. Wir…das gibt es doch nicht! Wieder Andersson! 3:1 für uns! Wir titschen durch das Zimmer. Wo sind die anderen Fans? Normalerweise würden jetzt Menschenknäuel entstehen. So aber wissen wir gar nicht wohin mit uns. Es muss lächerlich aussehen. Zwei zügellose Derwische im Wohnzimmer. Aber zwei ganz glückliche!

Die Mannschaft ist unfassbar präsent. Es macht Spaß, ihr zuzusehen. Klar, jetzt ist auch ein guter Teil der Existenzangst weg. Zuversicht macht sich breit. Obwohl wir als FC Fans ja schon alles erlebt haben und uns nie sicher sein dürfen.

Bis zum nächste Ausraster dauert es etwas – aber er kommt. 39. Minute. Czichos. Ein Traumtor. Wer hätte ihm eine solche Granat zugetraut? Das tut mal so richtig gut. Und ganz nebenbei beginnen wir jetzt auch zu glauben, dass das alles real ist und die Kieler nicht zurückkommen werden.

“Spätestens jetzt scheint die Aufgabe für Kiel beinahe unlösbar. Köln tritt effizient auf, hat die absolute Lufthoheit und führt mit 4:1.“

Kicker.de – Liveticker

2. Halbzeit. Weiter so oder Rückfall?

Wenn es jetzt so läuft wie es beim FC meistens läuft, versuchen wir das Ergebnis zu halten, geben damit dem Gegner das Signal zum Angriff, lassen ihn immer besser ins Spiel kommen und zittern am Ende, weil die Kieler drauf und dran sind den Ausgleich zu schießen.

Aber wir reiben uns die Augen, denn es läuft nicht so, wie wir es gewohnt sind. Die Jungs geben weiter Gas. Sie erarbeiten sich eine Chance nach der nächsten und es ist ein Wunder, dass wir nicht noch höher führen.

Wir machen alles richtig! Die Kieler wehren sich nach Kräften und man kann nicht anders als beeindruckt sein von der Moral dieser Truppe. Aber so langsam merkt man eben auch, dass ihnen die Strapazen ihres „Englischen Monats“ (siehe PK) in den Knochen stecken, ihr Glaube schwindet und sich ungläubige Enttäuschung breitmacht. Die haben in Köln gewonnen und mussten zuhause nur den Sack zumachen. Und jetzt müssen sie plötzlich 3 Tore schießen, um es zu schaffen.

In der 84. Minute macht Skhiri endgüktig den Deckel drauf. Der FC ist gerettet. Wir haben diese letzte Chance genutzt – und zwar fulminant.

Kiel 1:5 Kölle

Wir sind überglücklich. Ein weiteres Jahr in Liga 1 wird uns die Möglichkeit geben, uns finanziell zu sortieren und Stabilität in den Laden zu bekommen. Wenn wir uns anschauen, wer da so alles in Liga 2 gelandet ist, haben wir so unsere Zweifel, ob wir da so ohne weiteres wieder rausgekommen wären. So aber haben wir zumindest gegenüber den anderen Krisenclubs einen Vorteil. Den sollten wir nutzen. So wie wir heute unsere letzte Chance genutzt haben.

Externe Links zum Spieltag:

https://www.express.de/sport/fussball/1-fc-koeln/1-fc-koeln-gewinnt-mit-5-1-bei-holstein-kiel-in-der-relegation-2021-43508

https://www.kicker.de/kiel-gegen-koeln-2021-bundesliga-relegation-4704509/analyse

https://www.sportschau.de/fussball/bundesliga/spielbericht-holstein-kiel-erster-fc-koeln-100.html

https://www.sueddeutsche.de/sport/koeln-kiel-relegation-bundesliga-1.5307602