Vor nichts müssen wir uns als FC-Fans so fürchten wie vor der Hoffnung. Wenn es uns gelänge, gerade vor wichtigen Spielen wie vor diesem gegen Mainz, unsere Hoffnung auf Null zu setzen, wäre das ein großer Schritt für unsere körperliche und geistige Gesundheit.

Allerdings wären wir dann auch keine echten Fans mehr. Was jetzt nicht heißen soll, dass FC-Fan zu sein eine körperliche und geistige Erkrankung ist. Oder doch?

Der Dreh mit den Toren

Wir jedenfalls haben uns vor diesem emminent wichtigen Match entschlossen, alle noch so berechtigte Kritik außen vor zu lassen und einfach mal auf Tore zu hoffen. Und um das gebührend zu bebildern, haben wir eine Tour zu unseren wunderschönen kölschen Stadttoren gemacht. Allerdings mit einem leicht mulmigen Gefühl, weil wir uns natürlich fragen mussten, was uns in Corona-Zeiten dort erwartet, wenn wir die Kamera und die Mikros aufbauen – das Ordnungsamt? Schimpfende Mitbürger?

Eigenstein

Zunächst mal erwartete uns die vorhersehbare problematische Parkplatzsituation. In der Nähe der Eigelsteintorburg fanden wir immerhin eine Ladezone und befanden, dass im Moment ja wohl außer uns sowieso niemand liefert;-) Also war das unser Platz.

Nun bauten wir auf – und standen dabei durchaus dem ein oder anderen Radfahrer und Passanten im Weg. Ob das gutgeht?

Prompt wurden wir angesprochen. Aber anders als befürchtet, denn der freundliche Mensch stellte sich als „Der Veedelskümmerer“ vom Bürgerverein Kölner Eigelstein vor, freute sich über das ungewohnte Leben vor seiner Torburg und half uns fortan, wo er nur konnte. Das haben wir vermisst! Die Begegnungen mit den großartigen, offenen und herzlichen Menschen in dieser Stadt.

EIn Highlight mitten im Lock-Down. Natürlich fand das Ganze – auch wenn wir für das Foto die Masken kurz abgelegt haben – mit dem gebührenden Abstand und Gesichtsschutz statt.

2021_04_11 FC-Mainz Kölsche Tore Kölsches Glück 2021_04_11 FC-Mainz Kölsche Tore Kölsches Glück

Hahnentor

Station Nummer zwei. Toll. Mitten auf dem Rudolphplatz steht ein Polizeiauto. Das sieht bescheiden aus und… naja, man weiß ja nie. Wir kommen daher auf die grandiose Idee, uns in den verwaisten Außengastronomiebereich unseres Freundes Martin Schlüter vor dem Reissdorf am Hahnentor zu stellen. Da stünden wir dann quasi mit Erlaubnis.

Während der Tonprobe stellen wir fest, dass im Café an der Ecke, keine drei Meter von uns entfernt zwei Typen sitzen und Espresso schlürfen – der eine unverkennbar Marco Höger. Und ist der andere nicht Dominic Maroh?

Es ist eine Randnotiz, aber es gehört zur Wahrheit: Die beiden grüßen nicht. Ob sie den Blickkontakt bewusst vermeiden? Wir können es nicht sagen. Aber wer sich mit der Kultur im Fußball und der immer größer werdenden Kluft zwischen Fans und Akteuren beschäftigt, könnte auf die Idee kommen, das als einen weiteren Beleg für eine ungute Entwicklung zu werten. Wir jedenfalls kommen zu dem Schluss, dass wir Fans den Fußball mehr vermissen als der Fußball uns Fans. Da tut es gut, dass sich die Rolläden des Reissdorf am Hahnentor heben und wir unverhofft ein Kölsch spendiert kriegen. So muss das sein.

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Ulrepforte

Was ist das denn? Hier wird gebaut und im Tordurchgang steht ein riesiger Container. Das passt uns ja mal so gar nicht in den Kram. Aber was soll es? Man muss auch dreckige Tore machen, entscheiden wir.

Doof nur, dass wir nach dem Aufbau feststellen, dass wir Teile des Equipments am Hahnentor vergessen haben. Den Take hier kriegen wir auch so hin – aber dann müssen wir auf dem Weg zum Chlodwigplatz einen Umweg über den Rudolpfplatz nehmen. Glücklicherweise ist nichts abhanden gekommen.

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Severinstorburg

Das gibt es doch nicht! Auf dem Chlodwigplatz ist Markt! Vor der Severinstorburg herrscht reges Treiben. Damit hätten wir nun wirklich gar nicht gerechnet. Wie finden wir jetzt einen Corona-konformen Drehplatz und dazu noch einen, bei dem uns nicht alle drei Sekunden irgendein Vogel durchs Bild hüpft?

Wir laufen mehrfach um den Pudding, bis wir uns für eine Ecke entschieden haben, in der wir unser Zeug aufbauen. Nach dem Dreh machen wir noch ein Foto aus zentralerer Position und lernen Ralph Weber kennen, einen wirklich netten Waffelbäcker, der unfassbar gelassen darauf reagiert, dass wir auf der Suche nach der richtigen Perspektive seine Kundenschlange durcheinanderbringen. Schon wieder so ein schöner kölscher Moment. Vielen Dank!

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Achterbahnfahrt auf der Couch: Das Spiel

Pünktlich vor dem Spiel erreicht uns ein Mutmacherpaket von Gaffel. Wir sind also bestens gerüstet für das Spiel. Denken wir. Die Wahrheit ist natürlich, dass man sich auf ein so wichtiges Spiel nicht wirklich vorbereiten kann und wir vom Anpfiff an massiv Bluthochdruck haben. Das Kölsch kann lindern. Das Kölsch kann eskalieren. Was es wird? Wir werden sehen. Es geht um viel und als FC-Fans sind wir leidgeprüft und wissen, dass solche Spiele gegen Tabellennachbarn zuverlässig vergeigt werden. Wir sind nervös.

Mit Andersson steht endlich mal ein Stürmer in der Startformation. Wie wir es uns gewünscht haben. Und er hat auch tatsächlich ziemlich schnell seine Momente.

Aber sollen wir den Spielverlauf wirklich schildern? Dieses grausame Auf und Ab? Erst liegen wir hinten, dann glechen wir aus, gehen in Führung, fangen uns natürlich bald wieder den Ausgleich ein und verspielen dann zum Ende sogar noch den ohnehin nicht ausreichenden Punkt.

Man kann wieder sagen, wir hätten es gar nicht so schlecht gemacht. Aber wenn du immer nur genau so gut spielst, dass alle sagen, das mehr drin gewesen wäre, du aber dennoch regelmäßig ohne Punkte dastehst, kann an dieser Sichtweise irgendetwas nicht stimmen.

Wir hören uns auch zum zigsten Mal nach dem Spiel die Aussagen der Gegner an, sie hätten absolut nicht gut gespielt. Fürs Protokoll: Die haben gewonnen! Aber nicht gut gespielt. Und das stimmt. Und das stimmt sogar, wenn wir „nur“ gegen Mainz spielen.

Die Trainerentlassung

Die Amtszeit von Markus Gisdol hatten wir schon einige Spieltage zuvor für beendet erklärt. Einfach, weil das Projekt ohne jeden Zweifel gescheitert war. Es gab keine Perspektive, keine erkennbare Spielidee, keinen einzigen verbesserten Spieler etc. Und das alles war wenig überraschend. Unter dem Strich war das Ergebnis eindeutig.

Das hat übrigens absolut nichts mit den viel zitierten „Regeln des Geschäfts“ zu tun, die so oft kritisiert und beklagt werden. Wir sind keine empörten „Gisdol raus“-Rufer. Denn Markus Gisdol hat als Feuerwehrmann einen geilen Job gemacht. Man hat in ihm einen erfolgreichen Retter geholt, nach getaner Arbeit aber schlicht versäumt, den nächsten Schritt zu gehen. Wir waren der Feuerwehr für die Rettung unseres FC-Gebäudes so dankbar, dass wir sie auch gleich mit den Renovierungsarbeiten beauftragt haben. Und jetzt wundern wir uns, dass die Feuerwehr das gar nicht kann und alles wieder in Schutt und Asche liegt. Viel blöder geht es nicht.

Nun müssen wir den einen Retter durch einem anderen Retter ersetzen. Wir haben nicht nur ein Jahr verschenkt, sondern uns sehenden Auges in die selbe prekäre Situation zurückbewegt, aus der uns Gisdol gerade noch befreit hatte. Gisdol wollen wir das nicht vorwerfen. Dass der es versucht, ist völlig klar. Aber was um alles in der Welt denkt sich Horst Heldt dabei. solche Experimente mit underem FC zu machen?

Kurz nach dem Spiel war es offiziell. Und wenig später drang auch schon durch, dass Friedhelm Funkel aus dem Ruhestand zurückkehrt und sich der Herausforderng stellt. Er ist nicht zum ersten Mal bei uns und wir trauen ihm zu, das Ding zu wuppen.

Zu spät kommt das alles dennoch, denn selbst für einen Retter ist jetzt sehr, sehr wenig Zeit geblieben. Dass er ausgerechnet gegen Leverkusen starten muss…

Ach so, bevor wir es vergessen: Die verfluchte Hofffnung klopft wieder an. Mann, wo kommt die denn wieder her?!

Externe Links zum Spieltag:

1. FC Köln verliert 2:3 gegen FSV Mainz 05: Aus für Gisdol? | Express.de

Funkel und Heldt: So stellte der FC seinen neuen Trainer vor – GEISSBLOG.KOELN

1. FC Köln: Funkel für Gisdol – Kommentar zum Trainerwechsel | Express.de