Es gab wenige Zeugen, als wir unsere sorgenvolle Spieltagspressekonferenz vor dem Spiel gegen die Hertha am Marathontor drehten. Ein paar Spaziergänger, drei Jungs auf BMX-Rädern und einen Jogger. Einen bemerkenswert schnellen Jogger. Es war Jan Thielmann.

Gegen die wirklich schwachen Berliner sollte ihm die Extraschicht nicht helfen. Thielmann würde das ganze Spiel von der Bank aus verfolgen. Ein ratlos machendes 0:0.

Ein Spiel weiter. Unsere Mannschaft ist zu Gast in einem relativ bekannten Ortsteil der Stadt Gelsenkirchen. Die dort ansässige Elf gehört zu den nur zwei Mannschaften, die schlechter stehen als wir.

Das Spiel macht sich keine Mühe, diese Tatsache zu verschleiern. Bereits nach wenigen Minuten fragt einer in der Whatsapp-Gruppe des Fanclubs Wilder Süden „Läuft nicht irgendwo Fußball?“ und trifft den Nagel damit auf den Kopf. Was wir da sehen ist auf eine schräge Art sehr unterhaltsam. Aber Fußball ist es nicht.

Nach einer von beiden Seiten desaströs unmotivierten Anfangsphase stabilisiert sich das Spiel beider Mannschaften auf niedrigem Niveau. Dann erkennt der FC offenbar die Chance und investiert ein klein wenig mehr. Das reicht bereits. In der 31. Minute köpft Czichos ziemlich freistehend nach einer als Torschuss getarnten Drexler-Flanke ein. Man hat nun das Gefühl, dass man die Schalker mit etwas mehr Druck komplett auseinandernehmen könnte – und zwar ohne selbst gut zu spielen. Aber dazu kann sich irgendwie niemand durchringen.

Es kommt, wie es kommen muss. Ein paar Minuten nach Wiederanpfiff hat Jannes Horn den Ball am Ende einer Schlafmützen-Fehlerkette eigentlich schon sicher, wenn nicht Ellyes Schiri ebendieses auch von sich selbst denken und in Horn hineinlaufen würde. Der Ball springt (natürlich) einem Schalker vor die Füße und das Unheil nimmt seinen Lauf.

Nun wird das Spiel vogelwild. Benny Hill oder Jerry Lewis hätten ihre helle Freude an dem gehabt, was hier gezeigt wird. Slapstick pur. Der Ball titschte weniger kontrolliert von Bein zu Bein als eine Flipperkugel.

 


„Überraschend endete das Spiel
nicht mit einer Niederlage für beide.“

Bundesliga Rückschau: The hills Schalke has to climb | ZEIT ONLINE

 


 

Und genau so kommt es dann auch zum furiosen Ende. In der 88 Minute kommt Thielmann für Duda. 5 Minuten (!) später, in der dritten Minute der Nachspielzeit, läuft ebendieser Thielmann von der Mittellinie aus entschlossen in Richtung Schalker Tor, legt sich den Ball aber deutlich zu weit vor. Der Schalker Strambouli springt allerdings so ungeschickt in den Ball, das das Leder Elvis Rexhbecaj vor die Füße prallt. Dieser stellt geistesgegenwärtig fest, dass Thielmann auch ohne Ball einfach weitergelaufen ist und schickt ihm das Ding postwendend hinterher.

Ein Bild für die Götter. Fünf Schalker stehen verdutzt in dem engen Raum, in dem es eben noch einen Angriff zu verteidigen gab und stellen kurz nachdem das gelungen zu sein scheint fest, dass Ball und Gegner sich plötzlich für alle unerreichbar im eigenen Sechzehner befinden. Das Spiel wird an unerwarteter Stelle fortgesetzt. Tor, Thielmann.

Genau jener Thielmann, der vor dem Berlin-Spiel Extralaufeinheitem um das Stadion gemacht hat und dem wir das Tor deswegen doppelt gönnen.

Drei ganz wichtige Punkte. Wie sie entstanden sind, ist uns jetzt schon egal.

 

P.S.: Das Bild zum Spieltag stammt natürlich aus der wunderschönen Zeit, in der man noch in einem Aerosol-geschwängerten Sonderzug zum Auswärtsspiel reisen konnte.
P.P.S.: Wir wissen, dass Schalker darauf bestehen, dass es „auf Schalke“ heißt und nicht „in Schalke“. Wir wissen aber auch, was die deutsche Grammatik davon hält. Und mit der haben wir mehr am Hut als mit Schalkern.

 

 

Link zu externen Berichten zum Spiel:

Wahnsinn auf Schalke: Thielmann in der Nachspielzeit! – GEISSBLOG.KOELN

1. FC Köln schlägt den FC Schalke 04 im Bundesliga-Krisenduell | Express.de

1. FC Köln bei Schalke 04: Stimmen zum Spiel | Express.de