Am Ende ging es nicht nach oben und nicht nach unten. Der Aufzug blieb einfach stecken (siehe PK). Und wir konnten auch noch froh drum sein. Waren wir aber nicht so richtig, denn das war kein Spiel für zarte Stimmbänder.

Der angepisste Steffen

Steffen Baumgart kritisierte nach dem Spiel vor Allem die Zuschauer. Und natürlich hatte er in gewisser Hinsicht recht, denn man pfeift seine eigene Mannschaft nicht aus. Eigentlich gar und überhaupt nicht – aber ganz sicher nicht in einer Saison, in der sie uns so viel Freude bereitet wie in dieser.

Andererseits weiß Steffen Baumgart wenig über das Kölner Schmerzgedächtnis. Und deswegen konnte er die Pein nicht ermessen, die uns das elende Hintenherumgespiele bereitete. Zaudernde Vorwärtsbewegung, abgebrochene Tempoläufe, Rückspiel, Ständig der Blick zu Timo Horn und dann die zunehmend unkonzentriert gespielten Querpässe vor dem eigenen Sechzehner. Es sah verdammt danach aus, dass wir um Gegentreffer bettelten. Das war hasenherziger Fußball und auch der Gedanke, dass das Ganze nur dazu diente, die Unioner in unsere Hälfte zu locken, um danach etwas mehr Platz zu haben, mochte uns nicht recht trösten. Denn erstens haben wir die Gegenstöße wie gesagt zu oft abgebrochen und verschleppt. Und zweitens haben wir uns durch das Spiel vor dem eigenen Tor derart in Gefahr gebracht, dass die Rechnung nicht aufgehen konnte.

Das war unsere Sicht. Der Trainer sah es anders.

“Die Zuschauer müssen einen Weg gehen, genau wie wir auch. Ich habe kein Spiel gesehen, dass in irgendeiner Form Pfiffe verdient hatte. Schon gar nicht, wenn ich sehe, mit wie viel Mut die Jungs agiert haben. Ich bin darüber nicht glücklich.“

Steffen Baumgart

Um es klar zu sagen: Wir haben nicht gepfiffen und wir finden es absolut unmöglich, die Jungs auszupfeifen! Und auch wir haben kein Spiel gesehen, das in irgendeiner Form Pfiffe verdient gehabt hätte. Allerdings haben wir auch keinen mutig agierenden FC gesehen. Oder andersherum formuliert: Wir haben zu oft einen ängstlich agierenden ratlosen FC gesehen. Das war es, was so strapaziös für die Stimmbänder und die Nerven war.

Baumgart in Höchstform. Die PK nach dem Spiel

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Was Steffen Baumgart nach dem Spiel in der PK von sich gegeben hat, findet dennoch unsere volle Zustimmung. Wir haben einen hoffentlich langen gemeinsamen Weg vor uns und wir werden auf diesem Weg unsere Sichtweisen austauschen und aufeinander abstimmen müssen. Denn wie sich herausstellt, hat dieses Spiel ziemlich viele (subjektive) Realitäten.

Was ist realistisch?

In unserer Realität war es eine verdammt schlechte Idee, das Spiel so oft an den eigenen Strafraum zu verlagern und den wenig Sicherheit ausstrahlenden Timo Horn immer und immer wieder ins einfallslose Hin- und Hergekicke einzubinden. Manchmal muss man auch auf die Tagesform wichtiger Akteure reagieren. Man kann sich der Tatsache kaum verschließen, dass Timo bei beiden Gegentreffern schlecht aussah – wobei die Entstehung selbstverständlich ein Mannschaftswerk war und es nicht darum geht, einen Spieler an die Wand zu nageln. Vielmehr müssen die anderen eigentlich ein Gespür dafür haben, dass es an diesem Tag einfach nicht gut ist, ständig auf Timo zurückzuspielen und vor dem eigenen Sechzehner den Danger-Seeker zu geben.

Wir fragten uns schon während des Spiels, was passieren würde, wenn wir einfach unserem Atacke-Fußball treu geblieben wären und den Gegner früher gepresst und aus der gefährlichen Zone ferngehalten hätten. Hätte wahrscheinlich auch nicht immer funktioniert – aber wenigstens hätte nicht jeder kleine Fehltritt sofort zu einem Hochkaräter für Union geführt.

Andererseits gab es offenbar auch ganz andere Blicke auf das Spiel. Als wir das Match später im Fernsehen in der Zusammenfassung sahen, staunten wir nicht schlecht über die durchweg positiven Kommentare. Möglicherweise sind wir ein bisschen zu Mimimi drauf und gewichten die Entäuschungen der Vergangenheit zu hoch?

Wir jedenfalls haben ein anderes Spiel gesehen. Eines, in dem wir der Niederlage so gerade noch von der Schippe gesprungen sind und das seinen einzigen echten Höhepunkt im Gaga-Torjubel von Toni Modeste hatte, der sich eben mal Baumgarts Kappe schnappte und dafür eine schönen Anschiss kassierte.

Am Ende des (Spiel)-Tages

Und jetzt?

Ja, was? Alles OK natürlich. Wir glauben weiter an die Jungs und wir wissen, dass nur besser werden kann, wer bereit ist, seine Fehlerquote zu erhöhen. Isso!

Also, Jungs, macht Fehler! Wir freuen uns darauf zu sehen, was ihr daraus lernt. Und beim nächsten Mal gibt es vielleicht einen Last-Minute-Sieg. Lieber ist uns aber ein frühes 5:0 für uns.

Kölle 2:2 Union

P.S.: Wir gratulieren unseren Freunden Robin Loew Albrecht, Ho-Yeon Kim und Michael Trippel zur Wahl in den Mitgliederrat und beglückwünschen natürlich auch alle anderen, die ein Mandat erhalten haben. Wir wünschen konstruktive und erfolgreiche Zusammenarbeit.

Externe Links:

114 Wagner und Kleiß, klar: Team Mats Hummels – YouTube

https://www.express.de/sport/fussball/1-fc-koeln/1-fc-koeln-steffen-baumgart-sauer-auf-pfeifende-koelner-fans-78809

https://www.express.de/sport/fussball/1-fc-koeln/1-fc-koeln-kommentar-zu-fan-pfiffen-bei-2-2-gegen-union-berlin-78828

https://www.express.de/sport/fussball/1-fc-koeln/1-fc-koeln-mitgliederrat-bestaetigt-ho-yeon-kim-als-vorsitzenden-78911

https://geissblog.koeln/2021/11/geisspod-35-pfiffe-als-lob-der-fc-hat-sie-sich-erarbeitet/