ABENTEUER FANKULTUR

Wir hatten eine Schnaps-Idee und keine Vorstellung, was daraus werden würde.

Wir sind zwei der Millionen Fußballtrainer, die alles besser wissen und auch dann „Abseits!“ brüllen, wenn sie gar nichts gesehen haben. Außerdem sind wir zwei Fans, denen einiges am Fußball gewaltig gegen den Strich geht. Gehört wurden wir – wie alle anderen Fans – aber nicht. Unsereins wird nur erwähnt, wenn er nackt über das Spielfeld rennt, oder sonstwie gegen Recht und Ordnung verstößt – oder das, was die Verbände für Recht und Ordnung halten.

Als jubelnde Masse sind wir natürlich immer gerne gesehen. Auch harmlose Kautze, die Bierkrüge auf dem Kopf balancieren, werden gerne genommen. Aber bitte kein Protest! Kritische Transparente und Schmähgesänge werden ungerne gesehen – und wenn sie dann doch mal im Bild sind, werden sie von den Kommentatoren mit schöner Regelmäßigkeit als das Werk einer verirrten und verwirrten Minderheit abgetan.

Die Deutungshoheit über unseren Fußball haben die, die als Lizenznehmer von ihm abhängen. Die meisten Sportjournalisten – wen wundert es – sind daher eher Produktmanager als echte Journalisten. Es ist ihr Job zu verschweigen, wie fremd dieses Fußballgeschäft vielen geworden ist und wie weit sich der Fußball von jenen entfernt hat, die ihn leben und lieben und damit am Leben halten: den Fans.

Als wir 2014 zum ersten Mal mit einem Mottoshirt im Stadion standen, hatten wir uns gerade über eine Respektlosigkeit des damaligen Leverkusener Trainers Roger Schmidt gegenüber Peter Stöger aufgeregt. Lieber wäre er kein Trainer, als solchen Fußball spielen zu lassen wie Stöger, hatte Schmidt geätzt.

Der Trainer eines hochsubventionierten Werksclubs, der sich über Geld erst dann Gedanken machen muss, wenn der Menschheit die Krankheiten ausgehen, spottet über einen Kollegen, der mit begrenzten Mitteln um das sportliche Überleben kämpft. Sportlich? Nein. In diesem Hundert-Meter lauf starten die Läufer von unterschiedlichen Starlinien. Was für ein Charakter muss einer sein, der mit Vorsprung ins Rennen geht und sich dann über die Läufer hinter ihm lustig macht?

Wir waren es damals leid, die schweigende Fankulisse für solche Vögel zu sein. UNd so entstand die Schnaps-Idee – eigentlich war es eine Kölsch Idee -, ein Statement auf zwei Shirts zu drucken und sich damit für alle Kameras sichtbar am Spielferldrand zu postieren. Wer weiß, vielleicht beißt ja jemand an…