Vor knapp einer Woche hätte noch niemand zu träumen gewagt, dass der 1. FC Köln mit Zuversicht nach Stuttgart fährt. Kaum haben Mannschaft und Trainer mit dem grandiosen Sieg gegen Hoffenheim die Grundlage für begründeten Optimismus gelegt, kriegen wir es wieder knüppeldick. Ausgerechnet die beiden Matchwinner Said el Mala und Thijs Dallinga fehlen! Der eine ist erkältet, beim anderen läuft’s ganz flüssig. Das darf doch wohl nicht wahr sein!

Vivisektion – Experimentieren am lebendigen Spielkörper

Richten sollen es der bereits aussortierte Rondic und der englische Neuzugang Mikey Moore. Auf beide sind wir gespannt. Rondic dürfte seine Chance sehen, sich doch nochmal in den Vordergrund zu spielen – und sei es nur, um andere Vereine auf sich aufmerksam zu machen. Moore ist hochgelobt und wird sowieso alle Augen auf sich ziehen.

Aber was heißt das für das Spiel? Wundertüte Nummer 2! Hoffentlich wieder ein Feuerwerk der Glücksmomente!

Der 1. FC Köln auf der Suche nach Wunderheilern. Wir bieten uns gerne an, sind aber auf dem Spielfeld vermutlich nicht die beste Wahl.

(Leider) keine Überraschung

Ja jut, was sollen wir sagen? Wir haben das Spiel gesehen, das viele schon gegen Hoffenheim befürchtet hatten. Stuttgart war uns in den meisten Belangen deutlich überlegen. Gemessen an der Anzahl der Lattenschüsse hätte es schon nach der ersten Hälfte locker 3:0 für die Schwaben stehen können. Da war das Glück noch auf unserer Seite.

Letzteres kann man nicht endlos strapazieren und so konnte niemand überrascht sein, dass der VFB irgendwann eine der vielen Chancen erfolgreich abschließen wird. Und dann noch eine. Und dann noch eine.

Moore macht Lust auf mehr

Verblüffend war nur, dass die ersten Treffer genau in unserer stärksten Phase fielen. Der übliche Nackenschlag, wie der geübte FC-Sympathisant zu sagen pflegt. Dennoch sind wir damit beim Positiven. Denn was Moore da abgezaubert hat, war zumindest für eine viertel Stunde höchst sehenswert und vielversprechend. und auch danach hatten wir noch einige gute Szenen – leider aber nicht mehr das Glück, das nötig gewesen wäre, um aus dieser Partie mehr mitzunehmen als Erfahrungen. Wie gesagt – die Glück-Token hatten wir in der ersten Hälfte schon verbraten.

Realismus und Kampfgeist sind gefordert – von uns Fans

Was also bleibt? Zunächst mal die realistische Einschätzung, dass wir ohne Schwert in die Schlacht gegangen sind – mit El Mala und Dallinga fehlten unsere Abschreckung nach vorne. Ache arbeitet viel, wirkt im Moment aber sehr glücklos. Bei Bülter wirkt es ähnlich und, dass Rondic sich nicht in Topform zeigt, wundert auch nicht. Alle zusammen sind nicht in der Form, dem VfB so viel Respekt einzuflößen, dass sie die Sache etwas vorsichtiger angehen. Wobei wir nicht müde werden zu betonen, dass sich das schnell ändern kann. Man denke nur an Cordoba, den so viele schon abgeschrieben hatten, und der sich dann zu einer solchen Granatenform hochgearbeitet hat!

Wäre, wäre, Fahrradkette…

In Hälfte zwei stellte sich dann heraus, dass wir durchaus noch Pfeile im Köcher gehabt hätten. Denn Moore hat vorne ganz schön gewirbelt. Natürlich kann man sich jetzt fragen, warum der nicht von Anfang an gespielt hat. Man kann sich aber auch fragen, warum die Tore mehrheitlich in der zweiten Hälfte gefallen sind. Also lasst uns der Versuchung, einfache Antworten zu geben, oder noch einfachere Fragen zu stellen, gar nicht erst erliegen. Et is kompaliziert!

Wir haben auf jeden Fall einiges gesehen, das uns zuversichtlich macht. Unsere Endgegner sind nicht Stuttgart, Dortmund oder München. Wir kämpfen gegen die, die sich wie wir mit dem unteren Tabellendrittel auseinandersetzen müssen. Um so schöner, dass wir bereits gegen eine Truppe von „da oben“ gewonnen haben.

Hoffen wir, dass das Lazarett sich lichtet und wir gegen Bremen mit voller Kapelle auflaufen können. Übrigens schon wieder kein normales Samstags-Spiel, sondern die Nachmittags-Partie. Das wird eine lange Nacht und ein verpennter Sonntag für alle Bremen-Fahrer.

Stuttgart 4:1 Kölle

Fußnote

Rondic kam erst zur 90sten Minute rein. Mehr eine freundliche Geste des Trainers als die Möglichkeit, sich zu zeigen. Für das Spiel und unseren Effzeh ist das kaum wichtig. Aber manchmal ist es nicht uninteressant, sich in die Situation des Spielers zu versetzen und sich zu fragen, wie sich das wohl anfühlen würde und wie man selbst mit einer so schwierigen Situation umginge. Und jetzt komme uns bitte keiner mit „Die werden sehr gute bezahlt dafür“. Das stimmt. Aber kein Konto schützt dich vor persönlichen Enttäuschungen und den damit verbundenen Gefühlskapriolen. Wir jedenfalls wünschen Imad Rondic viel Glück und Erfolg.

Was wäre da möglich, wenn er [Mikey Moore] nun Said El Mala als Spielpartner an der Seite bekäme?“

Jim Decker, Kicker