Mit der Erwartungshaltung ist das so eine Sache. Bei den einen meldet sich das kölsche Schmerzgedächtnis und sagt: Es wäre eine Riesenüberraschung, wenn wir nach der Klatsche in Stuttgart ausgerechnet gegen den Leipzig-Besieger Bremen punkten würden. Die Abwehr ist zu löchrig, die Offensive zu jung, zu wenig erfahren. Das Mittelfeld ist eine bloße Behauptung – gesehen hat es jedenfalls noch niemand. Und gegen die Gegner, die angeblich auf Augenhöhe sind, haben wir noch immer schlecht ausgesehen.

Wer so argumentiert, kriegt keine Blumen – aber richtig vehement werden ihm wenige widersprechen wollen. Und dennoch wird man viele dieser Pessimisten nach einem Sieg des Effzeh mit einem freudigen „War doch klar!“ auf den Lippen das Stadion verlassen sehen. „Bremen steigt sowieso ab“. Widersprechen wird auch dann niemand.

Andererseits gibt es die, die es für eine handfeste Überraschung halten, wenn unser Wirbel-Sturm – bestehend aus El Mala, Dallinga und Moore, die Bremer nicht vor massive Probleme stellen würde! Mit wie vielen Leuten müssten die denn hinten drin stehen, um dieses Trio auszuschalten? Gleichzeitig haben wir jetzt einen Sosa in der Abwehr – und der Rest spielt sich immer besser ein. Jede Wette: nicht wenige dieser Kölner träumen insgeheim vom nächsten 7:1 gegen die Bremer! Und wenn das dann käme? Wären sie dann überrascht? Oder würden sie nach einer Niederlage beim Absacker sagen: „Naja, das wr ja eigentlich klar…“?

So ist es, das schwierige Umfeld. Wir jedenfalls haben das dumpfe Gefühl, dass „War ja klar“ und „Wahnsinn!“ am Samstag enger beieinander liegen werden als sonst. Wir lassen uns von dem, was wir im Grunde für wahrscheinlich halten, überraschen. Einem Sieg! Oder einer Niederlage? Auf jeden Fall ist es echt spannend! Und es ist mal wieder herrlich kompliziert und verwirrend beim FC!

Klarheit und intellektuelle Eleganz bringt da wie immer nur unsere PK:

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von open.spotify.com zu laden.

Inhalt laden

ZWEI KÖLSCH | Der Podcast | RTL+

Das Thema Erwartungshaltung scheint aus der Perspektive nach dem Spiel kein falsches zu sein. Wo man hinsieht, lange Gesichter. Das 1:1 kommt vielen vor wie eine Niederlage.

Super Start

Das liegt zunächst mal daran, dass der FC gut ins Spiel gekommen ist. Die Enttäuschung darüber, dass es (zunächst) keine Flügelzange El Mala – Moore gibt, ist schnell vergessen. Die Jungs, die auf dem Platz stehen, überzeugen. Selbst Dallingas verschossener Elfmeter kann die Spielfreude nicht bremsen. Die beste Erklärung für den Fehlschuss haben wir in der Halbzeit gehört: „Wie kann man einen Holländer auf einen Torwart in Orange schießen lassen?“.

Jedenfalls lag der erste Treffer in der Luft. Und er fiel auch. Maina macht das in der 11. Minute ganz wunderbar. Und beim Thema Erwartungshaltung darf man sich ruhig mal freuen und fragen: Wer hat erwartet, dass Maina eine so wichtige Rolle spielen wird in dieser neuen Mannschaft?!

Für die Bremer ist damit früh klar, dass ihre Taktik, uns den Ball zu überlassen und auf Umschaltsituationen zu lauern, nicht aufgeht. Folgerichtig ändern die ihr Spiel. Und wir? Eigentlich liegt der Sieg auf dem Silbertablett vor uns. Weiter Druck machen, denen keinen Raum geben, möglichst schnell nachlegen. Aber wir lassen es zu, dass Bremen langsam die Kontrolle übernimmt – auch, wenn sie dabei weitgehend harmlos bleiben. Nach vorne bringen wir kaum noch was. Bremen richtet sich langsam ein. Dennoch fühlt jeder im Stadion, dass ein 2:0 den Gästen den Stecker ziehen würde. Warum versuchen wir das nicht mit mehr

Kabinenansprache wirkungslos

In Hälfte zwei wird es nicht besser. Auf den Rängen sind wir uns einig, dass jetzt Zeit für die ersehnte Flügelzange ist. Bülter raus, El Mala rein und Moore auf rechts. Aber das passiert nicht.

Wir wirken immer unsouveräner. Die Bremer trauen sich jetzt mehr zu, treffen die Latte. Wir laufen meist hinterher. Dann endlich der Wechsel. Aber ein völlig anderer als wir gedacht haben. Für Maina, Dallinga und Castro-Montes kommen Johannesson, Ache und Sebulonsen. Ziemlich unverständlich, wenn wir ehrlich sind. Wir wechseln 1:1 und nehmen dabei eher Tempo raus. Ache ist zudem leider nicht in Form und fällt bei jedem Ballkontakt hin. So bauen wir keinen Offensivdruck auf.

Wie zu befürchten war, macht Füllkrug dann das verdiente 1:1. Obwohl und die Abwehr eigentlich besser gefallen hat als zuletzt. Nur kann das nicht gutgehen, wenn du kaum noch für Entlastung sorgst.

Wir bringen in der 74sten Minute El Mala für Moore. FÜR! Es kommt uns vor, als würden wir den Jet erst nur mit dem rechten Triebwerk und dann nur mit dem linken Triebwerk starten wollen. Jedenfalls ist der Wurm drin und wir können sogar noch froh sein, dass Bremen den Siegtreffer nicht hinbekommt.

Unter dem Strich sind wir so unentschieden wie das Spiel. Haben wir den Sieg durch falsche Aufstellung und falsche Einwechslungen abgegeben? Oder war es einfach die mangelnde Durchschlagskraft unserer Offensive? Da kam ja wirklich wenig. Oder ist unsere Erwartungshaltung zu hoch gewesen und wir sollten froh sein, einen Punkt gemacht zu haben, weil ja bekanntlich jeder Punkt zählt. .

Hausgemachte Probleme

Es bleiben Fragzeichen. El Mala erst in der 70sten? Musste das sein? Macht man sich so nicht ein unnötiges Problem – nicht nur im Spiel selbst, sondern auch mit dem Spieler? Und natürlich mit den Fans. Wenn man als Trainer wenig Kredit hat und sich die ganze Stadt auf das Zusammenspiel von el Mala und Moore freut – ist es dann nicht unfassbar ungeschickt, diesen Spielern nicht wenigstens 20 gemeinsame Minuten zu geben? Es wirkt dickköpfig. Damit hatten wir in der Vergangenheit wenig gute Erfahrungen.

Noch wichtiger als die Frage nach den beiden Spielern mit der höchsten Aufmerksamkeit, ist die Frage an die Mannschaft insgesamt, warum wir nach 15 Minuten Hochdruck-Fußball den Faden verloren haben.

Kölle 1 : 1 Bremen

ZWEI KÖLSCH AUF...

Ellyes Skhiri, der uns klar mehr Sicherheit gibt.


Mönchengladbach – ein Nachtrag

Die Gladdis haben nach drei Niederlagen in den ersten drei Spielen ihren Trainer entlassen. Als FC-Fan wünscht man sich natürlich, dass die möglichst lange versuchen, auf einem toten Pferd ins Ziel zu reiten. Der Trainerwechsel mag uns daher als Symptom einer Krise gefallen, der damit möglicherweise verbundene Neuanfang hingegen kommt für uns eigentlich zur Unzeit.

Warnung vor den Parallelen

Interessant ist aber in Wahrheit etwas Anderes – nämlich die Parallelen zwischen Gladbach und uns. Polanski ist wie Wagner ohne den geringsten Kredit in die Saison gestartet. Er hatte in den Spielen weniger Glück als wir. Deswegen ist er seinen Job jetzt los und Wagner nicht.

Beide Trainer aber standen von Beginn an unter enormem Druck. Und da lohnt es sich, hinzuschauen. Denn Trainer, die zu sehr unter Druck stehen, haben häufig keine Kraft mehr, die nötige Empathie für ihre Spieler aufzubringen. Sie konzentrieren sich zu sehr auf schnelle Lösungen oder halten aus Angst, sich unter dem Druck zu sehr zu verbiegen, starr an fixen Ideen fest. Dadurch geht der Blick für das Gefüge verloren.

Wenn wir uns anschauen, wie Wagner mit El Mala umgeht und sich weigert Moore und El Mala gleichzeitig spielen zu lassen (obwohl die ganze Stadt danach lechzt, wie wir bereits angesprochen haben), lässt sich das genau so interpretieren: da ist eine Blockade im Kopf, die es unmöglich macht, das Einfache und Wesentliche zu sehen.

Bei den Gladbachern ist es mit Kleindienst wohl ähnlich. Wir versteigen uns mal auf das vulgärpsychologische Attest, dass Kleindienst ein Macht-Vacuum spürt und mit etwas zu viel Wucht versucht, die Führungsrolle zu übernehmen. Scheint nicht sein Haupttalent zu sein, ist aber ein Indiz dafür, dass zu viel Druck auf dem Kessel ist.

Der Druck – das sind wir!

Wer den Druck erzeugt, dürfte klar sein. Kessler, Wagner und Co. würden sicher am liebsten idyllisch wie Freiburg arbeiten. Das ist in Köln nicht möglich. Wegen uns Fans. Wenn wir dem FC also Gutes wünschen und den Verantwortlichen ein gewisses Vertrauen entgegenbringen, sollten wir ihnen den Raum geben, ihre Vorstellung auch umzusetzen. Der Druck, den wir erzeugen, kann das Trainerteam in Fehler treiben und ist damit schädlich für den Verein. Aber das wollen wir sicher nicht sein: Schädlich. Wir wollen ein Erfolgsfaktor sein!

Falls, was ja auch möglich ist, das Trainerteam trotz bester Rahmenbedingungen (also extrem unterstützender Fans) nicht erfolgreich ist, werden die Verantwortlichen reagieren. Bis dahin sollten wir alles tun, um der Mannschaft und dem Trainer die Arbeit so leicht wie möglich zu machen.


FLASHBACK

Über SV Werder Bremen haben wir im Laufe der Jahre so einiges gesagt. Unsere Lieblings-PK findet Ihr hier:

2025/26

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

2023/24

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

2023/2024

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

2020/21

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

2019/2020

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

2017/18

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

2016/17

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden