Vor dem Spiel ist wie so oft alles fein. Michael ist samt Gattin frühzeitig angereist und lässt es sich an der Alster gut gehen. Thomas drückt vom Gaffel am Dom aus die Daumen und freut sich auf eine schöne Firmen-Revival-Party am Abend – hoffentlich mit guter Laune und drei Punkten im Gepäck.
Aber immer wenn es uns zu gut geht, haben wir ja noch unseren FC – den ewigen Zaunpfahl der Realität. Der winkt auch dann, wenn niemand wirklich zurückwinken möchte.

Die Hoffnung auf einen geschmeidigen Saisonstart, die man nach dem überraschenden Sieg gegen Hoppenheim zum Beginn der Hinrunde haben konnte, hat sich hiermit zerschlagen. Wir sind bei einem Punkteschnitt, mit dem man schwerlich die Liga hält und wir haben aus den beiden Matches gegen die Nordlichter Bremen und Hamburg – beides Mannschaften, die wir auf Augenhöhe erwartet haben -, nur einen Punkt geholt.
Passivität als Erfolgskonzept
Wie konnte das passieren? Der HSV war mit genau der Spielanlage erfolgreich, die Bremen nicht ganz geglückt ist. Man gibt uns den Ball und verlässt sich darauf, dass wir gegen eine massierte Abwehr keine Spielidee haben. Gegen Bremen haben wir uns trotzdem einen Elfmeter erarbeitet (und verschossen) und danach eine Lücke ausgenutzt und durch den schnellen Maina eingenetzt – Bremens Taktik war damit hin. Die waren aber (im Gegensatz zu uns) in der Lage, ihr Spiel danach anzupassen.
Stur statt stürmisch
Damit sind wir beim Thema. Wir sind taktisch so variabel wie eine Eisenbahnschiene. Wenn man uns den Ball gibt, nehmen wir das dankend an, laufen brav in Richtung gegnerisches Tor, machen sogar recht gefällig das Spiel, entfalten dabei aber kaum echte Gefahr. Ja, wir hatten Chancen! Aber wir wirken dabei in letzter Konsequenz nicht giftig, nicht gierig genug . Es sieht eher so aus, als würden wir uns durch das „geduldig spielen“ selbst einschläfern.
Als dann aus dem Nichts der Gegentreffer fiel, verschärfte das unsere Not. Denn jetzt mussten wir ja erst recht das Spiel machen und Druck aufbauen. Unser Druck ist aber mehr eine Belagerung als eine Offensive. So schießt man nur Tore, wenn der Gegner Hunger bekommt und das Spielfeld verlässt. Oder – um fair zu bleiben -, wenn der Gegner einen dummen Fehler macht und man geistesgegenwärtig genug ist, ihn auszunutzen. Im Normalfall aber helfen uns gegen eine Mauer auch die schnellen, spielfreudigen Außen nicht. Die prallen ab. Mit anderen Worten: Ohne Spielglück wird es schwer für uns!
Was hilft uns ein Prügelknabe?
Jetzt kann man natürlich wieder auf den Trainer eindreschen und fragen, was die denn so machen den ganzen Tag. Das kennen wir ja. Der Frust sucht einfache Lösungen – ein Überdruckventil. Interessant ist, dass der HSV, der deutlich schlechter gestartet ist als wir und vor dem Spiel null Punkte hatte, den Vertrag mit Trainer Polzin verlängert hat, anstatt den Mann vor die Tür zu setzen. Und seien wir ehrlich: Polzin hat die Ausstrahlung eines zu groß geratenen Grundschul-Moppels. Man komme uns also bitte nicht mit dem angeblich fehlenden Charisma unseres Trainers! Die Hamburger haben diszipliniert gearbeitet und nach der Führung (und der Halbzeit) überraschenderweise den Druck erhöht und auf das zweite Tor gespielt. That’s it! Das hat gereicht.
Und was heißt das? Was will uns der winkende Zaunpfahl denn jetzt sagen über die Realität unseres Effzeh? Klar, wir müssen an unserer Schwäche nach Standards arbeiten! Geschenkt! Vor allem aber müssen die Jungs auf dem Platz eine Schippe drauflegen, noch ein bisschen mehr ausstrahlen, dass sie es echt wollen, konsequenter und gieriger auf das Tor gehen. Denn zur frustrierenden Wahrheit gehört ja auch: Wenn wir die erste Bude gemacht hätten, hätte das ein ganz anderes Spiel werden können.
Lücken schnell füllen!
Wir sind keine Mannschaft, die zusammengestellt wurde, um das Spiel zu machen. Aber wenn es denn nicht anders geht, dann sollten wir das Spiel auch wirklich machen! Oder eben genau so wenig zum Spiel beitragen wie es der HSV getan hat. Zumindest in der ersten Hälfte. Was das für ein mieser Kick geworden wäre! Kaum auszudenken.
Ergo: Die Wahrheit ist auf dem Platz! So viel fehlt gar nicht. Aber, wenn das, was fehlt, nicht bald kommt, wird es super eng für uns. Sagt der Zaunpfahl.
Weiter arbeiten, Jungs!

Kölle 1 : 2 Hamburger SV


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